Strohjurten

Als Strohjurten bezeichnen wir hier runde, aus 50 cm dicken Strohwänden gefertigte Gebäude mit einem kegelförmigen Dach. 

Der hier beschriebene Prototyp wurde während unserer Strohbauwoche vom 17. - 23.08.2012 erstellt.

Menschen aus unterschiedlichsten Berufen setzten sich in dieser Zeit unter fachkundiger Anleitung intensiv mit dem Baustoff Stroh auseinander. Unterstützt durch täglich zwei Gesprächsrunden, genannt "Communitybuilding", nach Scott Peck, gelang uns eine Gemeinschaftsleistung, wie wir sie nie erwartet hätten. 

Synergien ergaben sich an jeder Ecke (?), so dass alle vorhandenen Fähigkeiten und Fertigkeiten zum Nutzen aller eingesetzt wurden. So manche Kursteilnehmerin stiess auch in neue Ebenen des Selbstvertrauens hinauf und alle genossen, zu erleben, was "in ihnen steckt". 

Strohballenbau ist technisch leicht, die "Bauklötze" wiegen aber z. T. über 20 kg!

 

Materialauswahl  und Bauablauf

Als Low-Budget-Modell geplant, wurde die Ausführung teilweise durch das vorhandene Material bestimmt. 

So verwendeten wir für das Fundament zusammengetragene Betonsteine, Ziegel und Schotter. Dieses Material brachten wir unter den geplanten Wänden direkt auf der Erde aus, damit der Unterbau aus Holzbalken trocken sitzt. Die Balken unterschiedlicher Länge und Stärke stammen aus dem Abbruch einer alten Scheune und wurden von der Stein/Schotterschicht durch eine Trennbahn gegen aufsteigende Nässe geschützt. Jörg setzte hier seine (etwas verstaubten) Geometriekenntnisse so genial ein, dass wir einen schönen, topfebenen Fünfstern als Auflage für die Strohwand hinbekamne - aus Abbruchholz!

Als Max Mitte Woche dazukam, gelang diesem ein ähnlicher Geniestreich: aus dem Rest des Abbruchholzes konstruierter er einen 16-teiligen Ringanker, auf dem das Mandaladach aufliegt. Klingt etwas hochtrabend, verdient seinen Namen jedoch zurecht. Gefertigt aus 12 simplen Stangen aus Tannenholz, kerzengrade je 6 Meter lang, liegen jedes Holz auf dem nächsten auf, so dass eine freitragende Konstruktion mit einer Öffnung von 1,10 Meter in der MItte entsteht. Alle Stangen laufen mit einem Winkel von 30° an der Öffnung vorbei und bilden am oberen Ende so den Kreis.

 

Die Strohwand

Aus Kostenerwägungen wählte ich die lasttragende Bauweise aus. Dies bedeutet, dass das Dach von den Strohwänden selbst getragen wird und nicht, wie sonst in Deutschland üblich, von einem Holzständerbau. Dies sprat zum einen Kosten, zum anderen erhöht diese Konstruktionsweise die Stabilität der Strohwand, vor allem gegen horizontale Lasten.

Die Ballen wurden versetzt aufeinander gestapelt und mit Bambusspiessen mit den jeweils zwei unteren Lagen versteift. 

Um einen Lastabtrag des Daches über die Wandmitte zu gewährleisten, wurde der Ringanker senkrecht durchbohrt und ebenfalls mit Bambusspiessen auf der Wand fixiert. Die Aussparungen für Fenster und Türen wurden mit Seilen mittig verbunden, um ein Herausrutschen während des Pressvorgangs zu verhindern.

Nach dem Herunterpressen der Strohwand wurden die Seitenteile der Fenster- und Türkisten ebenfalls durchbohrt und mittels Bambusspiessen mit der Strohwand verbunden.

Das Herunterpressen geschah mittels Spanngurten und diente der Vorwegnahme der Belastung durch das Dach. So konnten instabile Stellen vorab erkannt und korrigiert, und ein Setzvorgang der Wand über Monate vorweggenommen werden.

 

Das Dach

Beschreibung folgt Anfang Oktober 2012.

 

Putz

 

 

Das Ziel

Ziel dieses Experiments war das Erstellen eines Raumes von der Größe eines geräumigen Zimmers (50-60 Quadratmeter) ohne eingelassene Fundamente, naturrein und leicht rückbaubar. 

Das Gebäude soll die Option bieten, durch Einbau eines isolierten Bodens (Paletten, Bitumenbahnen, Strohballen) ganzjährig bewohnbar zu sein. 

Mit einem angepassten System solcher Kleingebäude in der beschriebenen Bauweise kann in Zukunft ökologisch unbedenklich und günstig Wohnraum geschaffen werden. 

Die CO2-Bilanz dieser Konstruktions- und Bauweise dürfte um die 10 % einer konventionellen Bauweise liegen.  

Das Baumaterial kann weitgehend aus der Region bezogen werden und der mögliche Anteil der Eigenleistung liegt sehr hoch, da viel Handarbeit anfällt. 

So können sich Gruppen von Menschen gegenseitig unterstützen, für sich und ihre Familien gesunden, schönen und bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. 

Damit bleibt es uns erspart, eine Viertel- bis halbe Million Euro über 20 Jahre zwei- bis zweieinhalbmal (je nach Zinssatz) zurückzahlen zu müssen, um ein Haus oder eine Wohnung zu besitzen. Als Mieter geht es uns nicht besser, der Zinsanteil in der Miete liegt bei rund 70 %. 

Die Folge kann sein: 
Die Autos der Banker werden kleiner werden und die Welt eine (etwas) bessere, lebenswertere.  

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